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INDUSTRIEVERSICHERUNGEN Mittwoch 02.07.2008
Neuer D&O-Schadenfall in Deutschland: Die Siemens-Affäre
"Siemens" hat bei mehreren Versicherern unter Führung der "Allianz" einen Schaden von bis zu € 250 Mio. zur Managerhaftpflichtversicherung angemeldet. Über diese Summe hatte Siemens bei den Versicherern für 2004 bis 2007 eine sogenannte D&O - Police abgeschlossen. Allein die Allianz stehe in dem Fall mit € 70 Mio. im Risiko. Beteiligt sind zudem u.a. die "Zürich", "HDI-Gerling" sowie Rück-versicherer.
Die D&O-Policen erreichen in Deutschland Prämieneinnahmen von € 300 bis 400 Mio. pro Jahr. Ein "Siemens" - Großschaden könnte mehr als die Hälfte der gesamten Jahresprämien kosten. Der Konzern plant offenbar, Schadensersatz von früheren Vorstandsmitgliedern zu verlangen. Geldstrafen, Steuernachzahlungen und Ermittlungskosten im Zusammenhang mit der Affäre summieren sich auf über € 1,6 Mrd. .
Nur der "Siemens" - Aufsichtsrat kann Forderungen gegen Ex-Vorstände erheben. In dem Gremium, das über die Ansprüche beraten wird, sitzt seit Januar 2008 auch der "Allianz" -Chef Michael Diekmann. Viel Spielraum hat der Aufsichtsrat nicht. Rechtlich ist er verpflichtet, mögliche Ansprüche gegen frühere Mitarbeiter geltend zu machen.
Mehrere Zentralvorstände mussten wegen der Affäre bereits zurücktreten. Die Staatsanwaltschaft München wird kurzfristig entscheiden, ob sie ein Ermittlungs-verfahren gegen den langjährigen Konzern- und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer eröffnen wird. "Siemens" und die Versicherer sollen Stillhalteabkommen geschlossen haben. Bis der Konzern die Ansprüche beziffert und konkret erhoben hat, wollen beide Seiten keine juristische Auseinandersetzung.
Die D&O-Versicherung zahlt nicht, wenn ein Manager vorsätzlich gehandelt hat. Die Ansprüche von Siemens gegen die Ex-Führungskräfte dürften aber auf jeden Fall teuer werden, denn die Versicherer müssen zunächst die Abwehrkosten übernehmen.
(aus FTD vom 28.04.2008 von Herbert Fromme)
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